Schlecker und die Planinsolvenz

Die Drogeriemarktkette Schlecker hat am heutigen Montag beim Amtsgericht in Ulm Insolvenz beantragt. Nach all den Medienberichten ist eine Planinsolvenz angestrebt, die es der Unternehmerfamilie Schlecker ermöglicht, Herr im eigenen Unternehmen zu bleiben.

Nachdem Schlecker in den vergangenen Monaten immer wieder versucht hat, das Unternehmen neu auszurichten, zuletzt durch das öffentliche Engagement der Kinder, bin ich über die Insolvenz nicht verwundert. Lediglich der Zeitpunkt und der Ablauf wundert mich.

Schlecker wollte bereits in den letzten Monaten seine Kosten reduzieren und hat Märkte aufgegeben bzw. unter der Marke „Schlecker For You. Vor Ort.“neu eröffnet. Angeblich wurden hierbei erneut die Personalkosten reduziert und auch neue, billigere Standorte ausgewählt.

Das Unternehmer-Ehepaar Schlecker stand häufig wegen Lohndumpings in der Kritik und einmal in den 1990ern zu Bewährungsstrafen verurteilt. Dies war für mich der Anlass bei Schlecker nichts mehr zu kaufen. Lohndumping heiße ich einfach nicht gut.

Nun soll eine Planinsolvenz das Unternehmen wieder fit für den Markt machen. Aber weshalb genau diese Planinsolvenz? Hierbei bleibt Schlecker Chef im eigenen Unternehmen, der Insolvenzverwalter begleitet den Plan nur. Durch diese Form der Insolvenz bekommt das Unternehmen die Möglichkeit, Miet- und Arbeitsverträge ausserordentlich zu kündigen und bei den Lieferanten einen Forderungsverzicht zu verlangen.

Angeblich soll das Unternehmen seiner Einkaufsgenossenschaft einen zweistelligen Millionenbetrag schulden. Die Frage ist hierbei: Wie entscheiden sich die Schlecker-Lieferanten? Stimmen sie der Planinsolvenz zu, verzichten auf ihre Forderungen und Schlecker kann weitermachen? Oder fordern die Gläubiger die Familie Schlecker auf, ihr Privatvermögen einzubringen?

Aus der Sicht der Wettbewerber müsste Schlecker in die Insolvenz gehen. Dann könnten sie sich am Markt vergrößern. Aus meiner persönlichen Sicht, wäre die Insolvenz für Schlecker das einzig Richtige.

Warum? Nun, der Markt bestimmt, wer überlebt und wer nicht. Die Zeit von Schlecker ist nach fast vierzig Jahren am Markt beendet. Mit Lohndumping, überfrachteten, kleinen Läden und einer – nach Medienberichten – erfolgten Personalüberwachung ist es heute einfach nicht mehr zeitgemäß. Wobei fehlen würde es mir schon. Schlecker gehört zum Stadt- bzw. Dorfbild. Aber vielleicht war auch genau das ein Fehler, der viel zu spät erkannt wurde.

Ich lasse mich nun mal überraschen, wie es weitergeht und welche Entscheidung die Gläubiger treffen. Für die Mitarbeiter hoffe ich das Beste, aber ich denke das vieles besser sein kann.

Kommentar hinterlassen zu "Schlecker und die Planinsolvenz"

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: